Eine Hommage an Greta Gerwig

Eine Hommage an Greta Gerwig

Das erste Mal hörte ich den Namen Greta Gerwig 2012, als meine damalige Mitbewohnerin mir von einem Film berichtete, den ich mir unbedingt anschauen sollte, da sie die Protagonistin (gespielt von Greta Gerwig) an mich erinnere. Das Argument zog natürlich. Also machte ich mich (damals noch
ganz oldschool) auf den Weg in die nächstgelegene Videothek und verbrachte den Abend auf der
Couch mit Frances Ha. Und was soll ich sagen, seither bin ich Fan der fantastischen Greta Herwig
und ihren Figuren, die sich auf eine gewisse Weise einander ähneln, obwohl sie stets aus anderen
Winkeln aufs Leben blicken.

Frances Ha etwa ist die perfekte Antiheldin. An ihrem Mädchentraum festhaltend, bemüht sie sich in New York als Tänzerin über Wasser zu halten, während sie ohnehin immer mit der Miete hinterher ist, von ihren männlichen Freunden als „undateable“ bezeichnet wird und bei all dem Struggle ihre beste Freundin an einen Leben nach Plan (Pärchenwohnung, Verlobung, Karriere) verliert.

 

 

Ich muss sagen, außer der Liebe zum Tanz und der Berührungssperre gegenüber fremden Personen, ist mir Frances eigentlich gar nicht so ähnlich, muss ich doch jeden Schritt planen, um zu wissen, dass ich mich irgendwie zukünftig absichern kann – sei es bei meiner Arbeit oder in der Zweizimmerwohnung mit meinem Freund. Dabei denke ich, dass die 27-jährige New Yorkerin nichtsdestotrotz ein Vorbild und meine persönliche Filmheldin ist. Natürlich frustriert es sie, wenn die Tanzleitung ihre Auftritte in der Company streicht, wenn Typen lieber mit ihr abhängen als sie zu daten oder sie beim Essen mit Bekannten betonen muss, dass sie und Sophie beste Freundinnen sind, obgleich beste Freundinnen in einer Welt des Erwachsenenseins keine Rolle mehr spielen, da man sich hier nur noch über die Beziehung zu PartnerInnen definiert. Doch ich glaube, dass Frances Ha(lladay) im Gegensatz zu vielen anderen Menschen dieser Generation einen Weg geht, wie ihn sich viele als Kind vorgestellt haben: Sie will für immer mit ihrer besten Freundin zusammen sein, Spaß haben und Tänzerin werden. Dass das in der Realität unter Umständen nicht alles funktioniert ist eine Sache und man könnte hier natürlich von bedauerlicher Naivität sprechen. Die Tatsache, dass Frances sich erst einmal nicht beirren lässt und an dem orientiert, was sie immer wollte und nicht die Abkürzung zum gut bezahlten Job nimmt, ist allerdings ebenfalls beeindruckend, weil sie auf diese Weise Ordnung in den Wust möglicher Perspektiven schafft, die man mit 27 hat.

„Keiner scheitert so schön wie sie“, schreibt der Spiegel im Jahr 2015 über Gerwig in ihrer Rolle als Mistress America. Auch in diesem Film ist sie sowohl Co-Autorin neben Regisseur Noah Baumbach als auch Protagonistin, die eine New Yorker Lebenskünstlerin verkörpert – mit dem Unterschied, dass Brooke bereits um die 30 ist und ihr Leben (im Gegensatz zur Frances) im Griff hat. Dies behauptet sie zumindest gegenüber ihrer zukünftigen Stiefschwester Tracy (gespielt von Lola Kirke, Schwester der fantastischen Jemima Kirke). Dieser Griff ist ein Festhalten an den eigenen Stärken und einem Selbstbewusstsein, das sie in der Gegenwart der 18-jährige Tracy ausstrahlt, die in ihrem schnöden College-Alltag noch nie einer Person wie Brooke begegnet ist, die nicht nach der Karriere in dem Berufsleben strebt, sondern mit Stolz auf mehrere Berufungen aber keinen Beruf hinabblickt. Aber ja, auch das ist wieder einmal alles Fassade, denn natürlich hat auch die „Mistress America“ ihre Zweifel, wohin das alles führen soll. Hinzukommt, dass New York vor lauter Menschen wahnsinnig einsam macht und man eben nur im Vergleich zu wenigen anderen als besonders wahrgenommen wird.

 

 

So richtig nach Plan verläuft das Figuren-Leben der Greta Gerwig dann erst 2016 in Maggies Plan (der Name ist Programm). Der Plan ist es, ein Kind zu bekommen – komme, was da wolle. Einen Vater im Familienporträt braucht es dazu nicht zwangsläufig, doch die auffällige Zuneigung des (verheirateten) John Harding (Ethan Hawke) ist eine willkommene Nebenerscheinung. Aber wie wir bereits gesehen haben, ist das mit den Plänen, deren Einhaltung und endgültiger Realisierung so eine Sache. Für eine Weile kann vieles so laufen wie es soll, man kann sich von falschen PartnerInnen trennen und den/die Richtige finden, doch kommt einem früher oder später das Leben oder in diesem Fall die imposant impulsive Exfrau (Julianne Moore) dazwischen. Was bleibt sind New York, Greta Gerwig, die Kunst und unaufgesetzte Frauenbeziehungen, die nie aufhören zu begeistern.

 

 

Aktuell ist Gerwig übrigens mit kurzen roten Haaren als Punk-Feministin und Fotografin in Mike Mills` Jahrhundertfrauen zu sehen, den ich jedem und jeder nur empfehlen kann. Logisch, dass es darin ums Scheitern geht, das tun ja irgendwie alle Menschen.