Team Me.

Team Me.

Ich arbeite gerne im Team. Das ist nicht nur ein häufig verwendeter Spruch in Bewerbungsschreiben, das ist tatsächlich so. Was aber, wenn man sich auf einmal in Situationen wiederfindet, in denen man sein eigenes Team sein muss, das es vor den KollegInnen zu verteidigen gilt? Team Spirit ist manchmal echt Shit. 

Seit einem Monat habe ich einen neuen Job und – das sei gleich vorab gesagt – ich mag ihn. Ich arbeite mit Büchern, ich darf Texte redigieren, viel lesen, diskutieren und Interviews mit spannenden Kulturschaffenden führen. Kurz: es ist das, was ich schon immer mache und immer machen möchte. Und: Ich bin Teil eines tollen Teams, in dem Frauen miteinander arbeiten, ohne sich während der Teambesprechungen unterschwellig schiefe Blicke zuzuwerfen oder einander auf andere Weise das Gefühl zugeben, in einer Art Konkurrenzkampf zu stehen. Das musste ich leider auch schon des Öfteren erleben.

Nichtsdestotrotz  gibt es da dieses ABER, dem ich, egal wo und egal in welchem Team, bisher immer wieder begegne. Was nämlich ABER, wenn die Absichten meines Teams manchmal dahin reichen, dass meine individuelle Arbeit, meine Kreativität, mein Talent, mein Engagement, vor lauter Teamgeist nicht mehr die selbe Wertschätzung findet, wie sie gegenüber anderen gezeigt wird? Wenn die Frage gestellt wird, auf welche Weise man das, was ich individuell leiste nicht auch anderweitig nutzen könne, um weiteren (wichtigeren?) Interessen, zum Wohle des gesamten Teams, nachzugehen? Was wenn ein Team nicht die selben Ziele verfolgt, da es ein Team im Team gibt? Wenn die Rede von zu sparenden Kapazitäten ist, an Stellen, an denen das eigene Herz blutet, während drei Personen im Team müde in ihre Kaffeetassen gähnen. Wenn junge Perspektiven einerseits auf Interesse und dann wieder auf rasches Abwinken andererseits treffen, … Ja, was wenn?

 

letitgo

 

Ich weiß, dass ich nicht die lauteste Person bin, wenn es in größeren Runden zu Diskussionen kommt, wenn Meinungen gefragt sind und schließlich in der Regel der/ die Schnellste und Extrovertierteste das Wort ergreift. Mir wurde schon oft im Leben ins Wort gefallen, die Worte im Mund verdreht, meine Worte überhört. Aber das hat mich nie daran gehindert, eine Meinung zu haben, sie zu denken und sie auch zu äußern.

Manchmal muss man sein eigener Teammate sein und sich innerlich selbst anfeuern, auch wenn man bereits ein starkes Team hinter sich hat. Gestern hat jemand in einem anderen Kontext bei der Arbeit meinen Namen falsch ausgesprochen und ich habe mich ungefähr eine Stunde danach noch innerlich darüber geärgert, dass ich ihn nicht viel lauter und deutlicher darauf hingewiesen habe, dass ich verdammt noch mal nicht „Krautmann“ heiße (Ich informiere mich doch auch, wie meine KollegInnen heißen – das nennt man Wertschätzung.). Heute hat jemand anders vorgeschlagen, dass man einen Teil meiner Arbeit auch an „echte Profis“ übergeben könnte, ohne zu bemerken, dass dies als Beleidigung aufgefasst werden könnte.

In solchen Momenten versuche ich mich zu erinnern, dass so etwas nur dann passieren kann, wenn mein Gegenüber mit diesen Äußerungen nicht seine eigenen Arbeitsprozesse berührt, wenn er/ sie von etwas spricht, dass nur vorstellbar, aber nicht nachzuempfinden ist. Im Grunde helfen daher nur zwei Dinge. Entweder man sucht die Konfrontation und erklärt in Ruhe, was einen an den Äußerungen der anderen Person stört. Oder – und damit fahre ich erstaunlich gut –durchatmen und LET IT GO!