Love`s not always that "Easy"

Love`s not always that „Easy“

Es wimmelt mal wieder nur so von Serien, die man „gesehen haben sollte“. Das finden manche vielleicht nervig, weil man ständig über irgendwelche Netflixrealitäten mitreden soll, obwohl man die Zeit durchaus anders nutzen kann. Für mich ist es derzeit aber besonders schön, weil ich  tagsüber nichts anderes mache als an meiner Masterarbeit zu schreiben. Meine Freund*innen bekomme ich nur am Wochenende zu Gesicht und so zählt unter der Woche, am Abend vor allem das Serienpersonal von Netflixserien wie Easy zu meinen sozialen Kontakten.

Alles Easy

Easy erzählt, ähnlich wie Black Mirror (aber ansonsten ganz anders, weil weniger spooky), in jeder Folge eine andere, jeweils in sich geschlossene, Geschichte. Es kann dabei vorkommen, dass eine der Protagonist*innen schon einmal in einer anderen Folge zu sehen war, dort aber nur eine Nebenrolle spielte. So zum Beispiel die Figur der Chase (Kiersey Clemons), die in der ersten Folge als Babysitterin der Kinder eines Ehepaars mit verkorkstem Sexleben und in der zweiten Folge schließlich selbst als Protagonistin zu sehen ist, deren eigenes frisches Liebesleben im Fokus steht. Ich habe bisher erst die ersten drei Folgen gesehen, mochte die zweite Folge Vegan Cinderella aber am meisten, weil ich dort gleich mit meinen zwei neuen Serienfreundinnen „gebondet“ habe.

Die Folge handelt von der Entwicklung einer neuen Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Frauen, Chase und Jo, die sich bei einem Konzert kennenlernen und anschließend miteinander ins Bett gehen. Als sie am nächsten Morgen gemeinsam frühstücken wollen, erklärt Jo (Jacqueline Toboni), die sich in ihrem Alltag für so ziemlich alles und jeden einsetzt (Tierschutz, Frauenrechte, Independentkünstler*innen), dass sie Veganerin ist. Chase hingegen macht impulsiv alles, worauf sie Lust hat. Und wenn das Eier mit Speck sind, sind es Eier mit Speck, obgleich sie sich der brutalen Umstände in der Tierzucht bewusst ist.

Du musst dein Ändern leben

Erst als Chase merkt, dass sie sich in Jo verliebt hat und nicht möchte, dass diese schlecht von ihr denkt, wird sie ebenfalls zur Veganerin – was eine ziemliche Herausforderung darstellt, da sie der Salamipizza beim Babysitten dann doch nicht widerstehen kann. Sehr unterhaltsam sind darüber hinaus die Momente, in denen Chase vorgibt, der Umwelt zuliebe überall mit dem Fahrrad hinzufahren, stattdessen aber heimlich mit Fahrradhelm Taxi fährt. Und alles nur, um Jo zugefallen, die das Spiel längst durchschaut, zunächst belustigt zusieht –  ihre neue Partnerin schließlich aber zur Rede stellt.

Mir gefällt die Folge besonders, weil sie zeigt, wie es ist, wenn man jemand gerade neu kennengelernt hat und so fasziniert und beeindruckt ist, dass man meint, eine bessere Version von sich selbst erfinden zu müssen. Im Fall von Chase mündet das ganze in einem ziemlichen Chaos, denn natürlich kann man sich nicht von heute auf morgen verändern. Gleichzeitig sollte dies auch niemand von der anderen verlangen, wie Jo bestätigt.

Ich selbst stelle oft fest, dass Menschen, die sich politisch und sozial mehr engagieren (als man selbst oder andere) und demnach teilweise besser über bestimmte Dinge informiert sind, einschüchternd wirken und bei anderen ein schlechtes Gewissen auslösen können. Diese Wirkung zeigt sich deutlich bei Chase, die bislang nie das Bedürfnis nach einem bewussteren Lebensstil verspürte, nun aber vor Jo nicht als schlechter Mensch dastehen möchte. Besonders schön und interessant finde ich es zu sehen, dass Jo ihre neue Freundin nicht verurteilt, als sie hinters Licht der fake-veganen Wandabe-Bikerin kommt. Ich denke, es ist gut wenn man sich, egal ob in einer Freundschaft oder eine Beziehung, gegenseitig Anstöße zu einem bewussteren Leben im Sinne von umweltfreundlicherem oder sozialem Verhalten gibt, man darf aber gerade am Anfang nicht zu viel erwarten und niemanden drängen. Es braucht nun einmal seine Zeit, bis sich der Kopf und vor allem der Körper an eine neue Ernährung gewöhnt hat oder man sich aller Konsequenzen des eigenen Handelns bewusst wird. Und letztlich kann man nur dann selbst die Entscheidung treffen, auf welche Faktoren man in seinem Alltag tiefer eingehen möchte.

Thematisch finde ich diese Folge demnach ein sehr gelungenes Abbild unserer Gesellschaft und einer Generation, die irgendwo zwischen Konsum und Bewusstsein steht. Zudem harmoniert in dieser Folge so ziemlich alles von der Inneneinrichtung, den Dialogen und dem wunderschön schrecklichen Gefühl des Frischverliebtseins.