"We get it, you are badass.“

„We get it, you are badass.“

Kennt ihr noch die badass Teenage-Detektivin Veronica Mars (Kristen Bell)? Ich gebe zu: ich kannte sie tatsächlich bis vor kurzem nicht. Irgendwie ist dieses Serien-Highlight damals zwischen O.C. & Buffy an mir vorbei gerauscht. Nun habe ich sie dank eines Serienseminars, das ich derzeit belege, entdeckt und lade euch zum gemeinsamen (Wieder-)Entdecken ein. 

Who`s who?

Schauplatz Neptune High: Ein neuer Schüler wird in der kalifornischen Kleinstadt von seinen Mitschülern willkommen geheißen, indem man ihn vor Schulbeginn nackt mit Gaffa Tape an den Fahnenmast vor der Schule fesselt. Alle, die vorbeilaufen, finden den Anblick furchtbar komisch oder fürchten sich einzugreifen, da sie selbst den Highschool-Badboys zum Opfer fallen könnten. Alle außer Veronica Mars (Kristen Bell). Kurzer Hand schneidet sie den armen Wallace (Percy Daggs III) vom Mast und befreit ihn aus der demütigenden Lage. Die Typen an ihrer Schule jagen ihr keine Angst ein und auch die Blicke der coolen Kids spielen für die taffe Einzelgängerin keine Rolle. Ihre Vergangenheit als Freundin des beliebten Softballkapitäns hat sie hinter sich gelassen. Das einzige, das die Protagonistin in Rob Thomas` Teenage-Krimi-Serie interessiert, ist Gerechtigkeit.

„A long time ago we used to be friends. But I haven’t thought of you lately at all.“

The Dandy Warhols singen von einer zerbrochenen Freundschaft, während sich im Intro das Serienpersonal von Veronica Mars vorstellt. Wie es sich für eine amerikanische High-School-Story gehört, gibt es dort den netten Kumpel, das Sport-Ass, den coolen Typen mit der Bikerjacke und den liebevollen Daddy. Auffällig ist allerdings, dass es sich hierbei (neben Veronica) lediglich um Männer handelt. Veronicas beste Freundin Lilly (Amanda Seyfried) lebt nicht mehr. Wie die Stimme der Protagonistin aus dem Off schildert, wurde diese vor einem Jahr brutal ermordet, woraufhin Veronicas Vater (Enrico Colantoni), ehemals Sheriff der Stadt Neptune, den Vater von Veronicas Exfreund Duncan (Teddy Dunn) des Mordes verdächtigte. Die Schuld konnte jedoch nie nachgewiesen werden, woraufhin die Familie Mars ihr gesellschaftliches Ansehen und Keith Mars seinen Job verlor. Kurze Zeit darauf verabschiedete sich auch Veronicas Mum aus ihrem Leben, weshalb sie sich nun allein mit einer Horde Männer rumschlägt, die sie als „angry young woman“ bezeichnen.

Zeitreise go!

Wie sich allerdings bereits in der Pilotfolge der UPN-Serie zeigt, war Veronica Mars einst eine völlig andere. Die Erkenntnis liefern vernebelte Flashbacks, in denen die Vergangenheit von vor einem Jahr aufgerollt wird. Mit langem wallenden Haar und unschuldsweißem Kleid tanzte die frühere Veronica auf den Partys der Reichen und Schönen. Heute sitzt sie allein in Jeans und Sweatshirt am Losertisch der Schulcafeteria und trägt passend zum neuen Fransenhaarschnitt stets einen schlagfertigen Spruch auf den Lippen. „We get it, you are badass.“ Zwar meiden ihre Mitschüler sie seit dem damaligen Vorfall, sie zu mobben wagt allerdings niemand, da Veronica sich einen Namen als erfolgreiche Hobbydetektivin gemacht hat. „Every girl needs a hobby.“

Hinter der coolen Fassade schlummert jedoch eine verletzliche Person. Wenn Veronica allein die Nacht vor einem Motel aussitzt, um wieder einen Mann der Untreue zu überführen, erinnert sie in ihrem verbissenen Ehrgeiz und der drückenden Einsamkeit an Marvel`s Jessica Jones. Wie bei der Privatdetektivin mit den Superkräften (gespielt von Krysten Ritter) ist Veronicas enormer Drang nach Gerechtigkeit und die „Ich mach alles allein-Tour“ eine Reaktion auf die tragischen Vorfälle ihrer Vergangenheit. Beide Frauen haben Freunde und Familie verloren und beide wurden sie von Männern ausgenutzt und der Kontrolle über ihren Körper beraubt. Zwar hat niemand, wie im Fall Jessica Jones, mittels Superkraft die Steuerung Veronicas Gedanken übernommen, doch K.o.-Tropfen im Glas führten zur Vergewaltigung, an die sie sich nicht erinnern kann.

Auch wenn das High-Schoolpersonal und gelegentliche Musikeinspieler wie Miriam Makebas Pata-Pata-Song den Eindruck einer heiteren Teenagekomödie machen, birgt die Serie einen dunklen Unterton, der zur Spannung beiträgt. Fragt sich allerdings, was in dieser Serie noch alles geschehen soll, wenn bereits die erste Folge überladen mit kriminellen wie zwischenmenschlichen Verstrickungen zwischen damals und heute ist.

Was sagt ihr rückblickend über die Serie? Total genial oder totaler Schwachsinn? Ich werde auf jeden Fall noch ein wenig weiter reinschauen, schon allein der tighten Jeansoutfits zuliebe.