Indoortipps für die Erkältungszeit

Indoortipps für die Erkältungszeit

Der Herbst ist da! Zumindest ist Schluss mit den hochsommerlichen Temperaturen.
Ich finde das ja ganz gut, weil im Herbst alles viel gemütlicher ist und die Luft besser riecht. Leider werde ich aber auch immer direkt einmal krank, wenn die Jahreszeiten sich umstellen. Deshalb erlebe ich den sonnigen Herbstanfang (oder Spätsommer) gerade eher durchs Fenster und verbringe die meiste Zeit mit Schlafen, Teetrinken, Lesen und Serien. Falls es euch demnächst auch erwischen sollte, da euer Immunsystem (so wie meins) vergessen hat, Sport zu treiben oder sich abends einen Schal anzuziehen, kommen hier ein paar fancy Indoor-Tipps bei Erkältung:

Lesen

Lesen kann ja ganz schön anstrengend sein, wenn man erkältet vor sich hindümpelt und ab und zu so grausige Kopfschmerzen bekommt. Ich empfehle daher ein gutes Buch, das man aber jeder Zeit zur Seite legen und später wieder einsteigen kann.

Ben Lerner

© rowohlt

Ben Lerner: 22:04: Oft bekommen Autor*innen ja die unerwünschte Frage gestellt, ob ihr Roman autobiographisch sei und beantworten diese meistens schnell mit einem Nein. Wenn der Protagonist in Ben Lerners Roman allerdings ein junger Autor aus Brooklyn mit dem Namen Ben ist, der nach dem Erfolg seines Erstlingswerks an seinem neuen Roman arbeitet, dann kann man da doch so einige Parallelen feststellen. Die Realität wird auf die fiktive Ebene im Roman verlagert, in dem wiederum der Schreibprozess an einer Geschichte nachvollzogen wird, in der es um einen jungen Autor und dessen Arbeit an einem Roman geht. Die Meta-meta-Ebene also. Klingt komplexer als es ist, denn Lerner hat eine sehr schöne, bildreiche Sprache, der man mühelos folgen kann. Besonders interessant sind jene Stellen, an denen der Autor im Gespräch mit seiner Freundin Alex über die Grenzen seiner Fiktion spricht, da er sich immer wieder Passagen ihrer Gespräche und Lebensereignisse bedient, sie leicht abändert und dann in seine Geschichte einbaut. Nebenbei bekommt man ein gutes Gefühl für die New Yorker Schreibszene und den Alltag eines Autors, der langsam an Bekanntheit gewinnt.

Die Geschichte würde eine Reihe von Vertauschungen mit sich bringen: Ich würde mein medizinisches Problem auf einen anderen Teil meines Körpers verlagern; die Astereognoise durch eine andere Störung ersetzen, Alex` kieferchirurgischen Eingriff verlagern. Ich würde Namen ändern: Alex würde Liza werden, was, wie sie mir einmal erzählt hatte, die zweite Wahl ihrer Mutter gewesen war; Alena würde zu Hannah werden; Sharon würde ich zu Mary, Jon zu Josh machen; Dr. Andrews zu Dr. Roberts etc. Anstatt literarischer Nachlassverwalter zu werden und sich aufgrund dieses Amtes der Spannung zwischen biologischer und textlicher Sterblichkeit zu stellen, würde der Protagonist – eine Version meiner selbst; ich würde ihn ´der Autor` nennen – von einer Universität wegen des Verkaufs seiner Papiere angesprochen werden.

Schauen

Wenn man sich selbst nicht so sehr anstrengen mag, ist eine Serie das Richtige. Meine liebste Serie, weil klug und unterhaltsam und reich an guter Musik und tollen Bildern, ist derzeit Transparent.

Eine Folge dauert ca. 30 Minuten, was eine gute Länge ist, falls man sich anschließend wieder ausruhen möchte.

Inhaltlich geht es in der Serie um die, in L.A. lebende, Familie Pfefferman, deren Mitglieder jeweils in ihren privaten Lebenssituationen gezeigt werden. Jede und jeder von ihnen führt bereits ein eigenes Leben, kann sich aber doch nie ganz von der Vergangenheit und seiner oder ihrer Rolle innerhalb der Familie lösen. Die Eltern; Mort und Shelly Pfefferman, sind geschieden und sehen ihre drei (bereits erwachsenen) Kinder – Sarah, Ali und Josh – meistens nur bei gemeinsamen Essen, wenn etwas Wichtiges anliegt. Etwa wie dann, wenn Mort seine drei Kinder einlädt, weil er ihnen etwas sagen möchte (und sie direkt damit rechnen, dass er Krebs hat). Beim Essen stellt sich jedoch heraus, dass Mort bloß sein Haus verkaufen möchte – was allerdings auch nicht dem ursprünglichen Anlass entspricht. Was er ihnen eigentlich sagen wollte: Mort möchte von ihnen in Zukunft lieber Maura genannt werden. Er –  oder besser gesagt sie – ist ihr „Trans-Parent“.

Was auch immer geht: Gilmore Girls, Sopranos, Sex and the City, Girls

Entdecken

Die bezaubernden Menschen der Lesereihe für junge Literatur Kabeljau und Dorsch haben ein E-Book herausgebracht.

An ihrer Anthologie haben die vier Fische Chris Möller, Malte Abraham, Sven Schaub und Natalie Wübbolt, in den vergangenen zwei Jahren fleißig gearbeitet und das Ergebnis ist wirklich beeindruckend. Ich habe zuvor, um ehrlich zu sein, noch nie wirklich ein E-Book gelesen und besitze auch keinen entsprechenden Reader, aber diese E-Book-Premiere ist auf meinem MacBook ein echtes Highlight und perfekt für Tage, an denen man nicht viel machen kann, aber doch gern das Gefühl hätte, irgendetwas für die kulturelle Bildung zu tun. Dieses Buch, so die Herausgeber*innen, ist „ein Buch, das genauso ein Film ist, ein Hörspiel und eine Grapic Novel.“ Wie geht das denn?

Als Lesereihe haben Kabeljau und Dorsch bereits viele junge Autor*innen in ihr Mikro lesen lassen und die vielen Zuhörer*innen, die alle zwei Monate zu ihnen nach Neukölln gepilgert kommen, zeigen, dass sie  immer ein gutes Händchen bei der Manuskript-Wahl treffen. Das E-Book ist nun eine Art Anthologie, die wiederum eine Auswahl junger Autor*innen vereint. Man kann darin aber nicht einfach nur die Texte der Autor*innen nachlesen, man kann sie sich sogar vorlesen lassen. Ein Traum für jedes kranke Huhn, das sich wünscht, jemand würde ihm einen Tee kochen und dann etwas vorlesen. Das ist aber noch nicht alles. Die Rede war ja auch von Film und Graphic Novel. Der Clou ist, dass es zu jedem Text immer noch eine Inszenierung gibt. Dies können Fotostrecken, Autorenportäts oder eben auch eine Graphic Novel, wie die von Raphaela Buder sein, die das erste Kapitel des Debütromans von Matthias Jügler in eine Graphic Novel verwandelt hat.

Was mich persönlich vor allem begeistert, ist das Design dieses E-Books. Die Schrift der Texte ist gut leserlich, schlicht und stylisch: Blau auf weißem Grund. Wer also schon seit längerem mal mit dem Gedanken gespielt hat, sich an ein E-Book heranzuwagen (auch wenn er oder sie ein Freund/ eine Freundin des bedruckten Papiers ist), trifft mit der Kabeljau und Dorsch-Anthologie auf jeden Fall eine gute Wahl.

Hören

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Wenn man dann die Augen wirklich zu machen möchte, weil gar nichts mehr geht, gibt es für mich immer noch Spotify. Unter dem Benutzernamen „Hörbücher“ findet man hier eine große Auswahl an Hörbüchern, wobei man allerdings etwas filtern muss, da es auch viel Ramsch gibt. Wenn man gut sucht, findet man aber auch ein paar echte Schätzchen wie z.B. Wolfgang Herrndorfs Tschick, was ja derzeit auch im Kino läuft (hab ich noch nicht gesehen). Außerdem immer zu empfehlen, weil es nicht nur ein Klassiker, sondern auch gut gelesen ist: Sherlock Holmes.

Habt ihr noch weitere gute Tipps, was man, außer Schlafen, machen kann, wenn man krank im Bett liegt und sich ab und zu etwas langweilt? Dann schreibt sie gerne in einen Kommentar!

Viren-Grüße, eure Marie